Selten ist es eine echte Winterdepression

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Niedergeschlagen, lustlos, melancholisch? Ein vorübergehendes Stimmungstief zu Beginn der dunklen Jahreszeiten ist üblich. Doch nicht jeder leidet gleich unter einer saisonal abhängigen Depression – besser bekannt als Winterdepression.

Merkmale der Winterdepression

Die saisonal abhängige Depression (SAD) ist eine besondere Unterform der Depression, die regelmäßig, aber nur in bestimmten Intervallen auftritt – hauptsächlich in Herbst und Winter. Betroffene klagen vor allem über mangelnde Energie und Antriebslosigkeit. Viele Merkmale (z. B. Schuldgefühle oder Freudlosigkeit) überschneiden sich mit denen einer klassischen Depression.

Die typische Appetitlosigkeit mit folgendem Gewichtsverlust tritt bei der SAD jedoch nicht auf. Ganz im Gegenteil leiden Patienten eher unter Heißhunger, insbesondere auf Süßigkeiten. Eine Gewichtszunahme ist daher wahrscheinlicher als eine Reduktion. Ebenso gegensätzlich kennzeichnet sich eine SAD oft durch erhöhten Schlafbedarf und nicht durch Schlafstörungen wie bei anderen Depressionsformen.

Zusammenspiel von Licht, Melatonin und Stimmung

Man vermutet, dass das verminderte und weniger intensive Tageslicht in den Herbst- und Wintermonaten Auslöser bzw. Ursache der SAD ist. Die Aufnahme von Licht hat maßgeblichen Einfluss auf die Produktion des Schlafhormons Melatonin: Je weniger Licht der Körper aufnimmt, desto mehr Melatonin produziert er. Die Folgen eines erhöhten Melatoninhaushalts sind Müdigkeit und Erschöpfung.

Generell ist es für Laien daher nicht allzu einfach eine SAD zu erkennen. Als Grundregel kann jedoch festgehalten werden: Wer über 14 Tage lang stark unter den beschriebenen Symptomen leidet, sollte in jedem Fall einen Arzt aufsuchen.

Behandlungsmöglichkeiten und Prävention

Wie bei anderen depressiven Erkrankungen wird auch bei Winterdepressionen meist ein Antidepressivum und/oder eine Psychotherapie verordnet. Durch den speziellen Zusammenhang zwischen der SAD und der Lichtzufuhr des Körpers ist allerdings zusätzlich auch eine Lichttherapie empfehlenswert.

Dabei versucht man das mangelnde Licht mit Lampen von etwa 10.000 Lux auszugleichen. Durchschnittliche Wohnlampen können dies nicht leisten und sind daher ungeeignet. Diese Methode ist zwar sehr wirkungsvoll, jedoch in der Regel nicht ausreichend, um die SAD allein in den Griff zu bekommen. Sie stellt lediglich eine Ergänzung dar.

Sobald die Sonne scheint, sollten sie die Gelegenheit nutzen und eine Runde echtes Tageslicht tanken. Da die Sonne in Herbst und Winter jedoch weniger intensiv scheint, sollten sie ruhig einen längeren Spaziergang einplanen, um der depressiven Stimmung beizukommen. Frische Luft und Bewegung unterstützen zudem generell die körperliche Gesundheit.